Gibt es die Pflege noch?

Posted: 16. Oktober 2017

Reading Time: 2 minutes

Kann man unseren Job überhaupt noch Pflege nennen?

Wenn ich mir die Definition von Pflege ins Gedächtnis rufe, heißt es kurz:

„Alle Maßnahmen, die dazu dienen, Hilfsbedürftige zu versorgen.“

Also ALLE Maßnahmen. Sind wir dazu überhaupt noch in der Lage?

Adäquat zu pflegen? Das Personal ist Mangelware, es gibt zu wenige Pflegefachkräfte…und in meinen Augen zu wenig Nachwuchs.

Der Nachwuchs wäre sicher da aber die Ausbildungsplätze sind begrenzt.

 In dem Haus in dem ich meine Ausbildung absolviert habe war es so:

Es gab pro Jahrgang 1 Klasse mit Schülern der Gesundheits- und Krankenpflege und 1 Klasse mit Schülern der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege.

Pro Klasse begannen 28 Schüler, davon beendeten die Ausbildung 16-23 Schüler.

Im Haus blieben nach Ausbildung ca. 3-4 Schüler pro Jahrgang, der Rest ging in andere Häuser, andere Städte, ins Ausland oder blieben aus bestimmten Gründen nicht in der Pflege.

 Ich bin der Meinung, wir brauchen mehr Ausbildungsplätze. Mit mehr Ausbildungsplätzen könnte man den vorhandenen Fachkräftemangel verbessern und so die Bedingungen in der Pflege wieder auf ein besseres Level bringen. Das reicht natürlich noch lange nicht aus aber es wäre ein Anfang.

 Das was aktuell in der Pflege passiert ist teilweise Menschenunwürdig. Egal ob auf Patientenseite oder der Seite des Personals.

Pflege kann man das, was in vielen Häusern geschieht, nicht mehr nennen.

 1 Fachkraft für 20 und mehr Patienten, meist mit Patienten die nicht mehr dazu in der Lage sind, sich selbst zu versorgen sondern zu 100% gepflegt werden müssen. Von den Zuständen in den Pflegeeinrichtungen möchte ich gar nicht sprechen.

 Die Zahlen sind wichtig, Kliniken müssen Gewinne machen sonst werden sie geschlossen. Aber um welchen Preis? Bis was passiert ..und wer steht dann dafür gerade? Wir, jede einzelne Pflegekraft ist für ihr Tun selbst verantwortlich. Welche Wal haben wir denn? Hoffen das nichts passiert, sein möglichstes tun und warten was sich ändert.

 Wir haben uns alle mit Herz und Verstand für einen wirklich tollen Beruf entschieden, geben täglich unser bestes, versuchen allen gerecht zu werden und vergessen uns oft selbst dabei.

Dienstpläne werden geschrieben und dann? Stimmen sie sowieso nicht mehr weil es immer Ausfälle oder ein größeres Arbeitsaufkommen zu kompensieren gilt.

Da klingelt im Frei oder im Urlaub das Telefon „ Kannst du..?“

Und ja, meist kann man. Weil man das Team nicht im Stich lassen will und weil man ja selbst mal krank werden könnte und weil es blöd kommt wenn man Nein sagt und weil…und weil ..und weil…

Was ist wenn man sich dann selbst krank arbeitet? Burn out oder körperliche Schäden? Ist man weg vom Fenster. Wird ausgetauscht und es ist egal wo man bleibt.

 Es gibt sicher Kliniken / Einrichtungen die mehr oder weniger davon betroffen sind und ich spreche da auch nicht zwingend von mir. Hier läuft alles noch einigermaßen rund. Das was man aber liest und von Kollegen aus anderen Häusern hört das geht so nicht weiter.

 Hier muss dringend was passieren und es liegt auch ein Stück weit an uns, Defizite aufzuzeigen und nicht immer alles hinzunehmen.

 Liebe Grüße aus meinem Dienst 7/8 der eigentlich ein 7/7 Dienst war, mit der Aussicht auf 1 Woche frei danach. Aus der 1 Woche sind genau 2 freie Tage geworden, die braucht man nach 4 Nachtdiensten … weil Kollegen krank geworden sind.

Wenigstens gibt es noch die Möglichkeit zu Hause bleiben zu können wenn man krank ist um sich auszukurieren. Noch…..

 

1 Comment

  • Reply Malte 16. Oktober 2017 at 18:08

    Ich bin Schüler der Gesundheits- & Krankenpflege, ich habe mich nach meinem FSJ bewusst für diese Ausbildung entschieden.
    Auch bewusst mit der Option beide Abschlüsse zu machen aber wenn ich sehe wie ich in der Kinderklinik behandelt wurde, da ist mir echt teilweise der A**** geplatzt. Aber allgemein wie Teilweise mit dem Nachwuchs umgegangen wird, nicht selten sind wir mehr Hauswirtschaftliche Angestellte als Schüler oder dieser Satz in der Übergabe “Wir sind heute alleine” wie soll man denn in so einer Schicht was lernen?
    Ich weiß es nicht & da verstehe ich es auch wenn ich von einigen höre “nach der Ausbildung mache ich sofort was anderes”, habe ich auch schon gesagt. Meine Frustrationsgrenze ist echt hoch aber wenn man den ganzen Tag nur wie ein Objekt behandet wird führt das zu nichts gutem.
    “Ey Schüler, kannst ma eben, die Omma auf 5 braucht noch ne Windel und gefüttert wurde die auch noch nicht”
    Wer ist denn die alte Dame? Und wer bin ich?
    Soll das die Vorbreitung auf die nächsten Jahre sein? Auf Nächte alleine auf Station, auf im Frühdienst für 20 Patienten?
    Da möchte ich lieber gescheit vorbereitet werden und wenn, warum ist es schlimm wenn ich mir zum 5x angucke wie dies und jenes gemacht wird? Warum werde ich dann gefragt ob ich nix zu tun hätte?
    Da fängt es in meinen Augen schon an…

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