Die andere Seite der Nadel…plötzlich Patient….Teil 2

Posted: 29. Juli 2017

Reading Time: 4 minutes

Die Nacht verlief dann doch ohne besondere Vorkommnisse, das Klo war mein bester Freund und die Omi neben mir bekam von all dem nix mit.

Sie durfte Frühstücken, ich durfte in mein neues Outfit schlüpfen, ohne Frühstück. Weiße Strümpfe und ein geblümtes Kittelchen, schick ist anders. Und wenn es nicht so extrem nach Kaffee gerochen hätte, wäre mein Verlangen nach Frühstück auch nicht wirklich eskaliert.

Nun begann das Warten…ich bin eh so ungeduldig und zu meinen Stärken zählt Geduld nicht wirklich. Ich musste bis 13:00 brav in meinem Bett liegen und immer wenn die Tür vom Zimmer aufging, hoffte ich…

Dann ging alles ganz schnell… Tür auf “So es geht los..” Unterlagen ins Bett gelegt und schwups war ich im Aufzug Richtung OP. Eigentlich weiss ich ja was da jetzt so kommt… Ich erkläre es meinen Patienten immer was der nächste Schritt ist. Aber wenn man selbst da liegt fühlt man sich einfach hilflos, unsicher und ja..auch eine Krankenschwester hat Angst.

Am schönsten sind diese vorgewärmten Decken mit denen man zugedeckt wird. Da es im OP kühler ist als im ganzen Rest der Klinik, tun die wirklich gut. Der Anästhesist war echt nett..machte ein paar Scherze um mir meine anzusehende Angst zu nehmen und dann …

….wachte ich plötzlich wieder auf. Die Geräusche des Aufwachraumes waren mir so vertraut das ich laut Krankenpfleger die anderen Patienten versorgen wollte, mich nach deren Vitalzeichen erkundigte und sie zurück auf Station verlegen wollte. Tja..da ich ja auch Patient war ..davon aber wohl erstmal nichts realisierte..wurde aus der Verlegung der anderen Patienten nichts. Dafür bekam ich wohl nochmal eine ordentliche Dosis an Schmerzmedis die mich dann auch schnell und komplett niedebügelten.

 

 

Auf Station schaute ich erst einmal, wie mein Bauch so aussah, welche Schläuche so aus meinem Körper hingen und was sonst noch neues da war. Ich fand 2 Schläuche und eine Infusion, also alles wie vorher verabredet. Ich hatte soooo Hunger aber bekam nix. Mein Bauch tat weh und ich klingelte, wollte Schmerzmittel. Die Krankenschwester die kam war etwas atemlos..rief irgendwas mit ” Wenn der Nachtdienst kommt bekommen sie was ganz starkes, davon können Sie dann schlafen” ..Hallo? Ich habe JETZT Schmerzen, der Nachtdienst kommt in 1 Stunde…So versuchte ich noch auszuhalten, klingelte aber bereits nach 10 Minuten nochmal. (Bei uns würde es so eine Aussage nicht geben, selbst wenn keine Schmerzmittelgabe mehr möglich ist dann sage ich den Patienten immer was mein nächster Schritt ist und das ich gleich wiederkomme. In einem Krankenhaus muss keiner starke Schmerzen haben!!)

Die Krankenschwester kam dann nach einer langen Weile und hängte mir wortlos eine Infusion hin “Da ist was drin” ..Ja das da was drin ist sehe ich auch. Mr. Nurse war inzwischen eingetroffen und konnte mir wenigstens sagen, welches Medikament hier in meine Vene lief. Da ich das Medikament mit seiner Wirkung und seinen Nebenwirkungen kenne, wunderte ich mich, warum hier niemand erst einmal meinen Blutdruck gemessen hatte oder andere Vitalzeichen überprüfte. Egal…ich schlief auf jeden Fall ganz passabel.Allerdings bin ich Bauchschläfer und mit tat nach einer Weile echt der Rücken weh..aber das war auszuhalten.

Am nächsten Morgen kamen eine Schwester mit einer Schülerin ins Zimmer..”Guten Morgen, jetzt gibts Frühstück und dann können sie mal aufstehen”

Endlich Frühstück ..ich hatte mich schon ewig nicht mehr auf ein solches Frühstück gefreut. Alles schaffte ich auch gar nicht aber der Kaffee war leer als das Tablett wieder geholt wurde,

 

 

Die Schülerin kam auch kurz darauf zurück, entfernte einen meiner Schläuche und wollte den Blutdruck messen. Mit Manschette und Stethoskop bewaffnet pumpte sie auf..wartete..pumpte wieder auf…”Ich muss nochmal am anderen Arm messen, ich höre nichts”Auf einmal stürmte sie weg und holte ein elektrisches Gerät. Als dieses seine Werte ermittelt hatte, stürmte sie wieder raus. Sie sagte nie warum sie ging oder wann sie wiederkam. Sowas ist unschön und verunsichert total.

Sie kam mit einer Schwester zurück…”Ihr Blutdruck ist aber ganz schön niedrig, so dürfen sie nicht aufstehen, sie bekommen noch eine Infusion und dann messen wir nochmal” 66/41 war wirklich wenig und erklärte meinen Kopf der sich wie Watte anfühlte. Obwohl ich schon Kaffee hatte.

Bei uns auf Station ist es so: Wenn Patienten nicht aufstehen können oder dürfen, bekommen sie am Morgen zumindest eine Waschschüssel ans Bett gestellt, werden wenn nötig bei der Körperpflege unterstützt und haben auch die Möglichkeit, im Bett die Zähne zu putzen.

Hier lag ich einfach so rum, ungewaschen, mit meinem Blutdruck und meinem Schlauch im Bauch und konnte einfach nichts tun. Ich kam mir hilflos vor, nicht wahrgenommen und auch nicht ernstgenommen. Es interessierte auch niemanden ob ich überhaupt irgendwann mal Zähne putzen wollte oder ähnliches. So würde ich nie pflegen, sowas geht gar nicht.

Irgendwann kam das Mittagessen, die Infusion und der letzte Schlauch waren  auch bald entfernt aber ob ich mal aufstehen will fragte keiner mehr. Gut das Mr. Nurse am Nachmittag kam und mit mir aufstand und ins Bad ging. Wie mein Blutdruck war, konnte ich nur erahnen aber hoch war er definitiv nicht.

Am nächsten Tag durfte ich dann auch nach Hause.

Egal wie stressig es auf Station ist oder wie wenig Personal da ist… zumindest eine Rückmeldung, warum man was tut gibt den Patienten so viel Sicherheit das man danach auch mehr Ruhe und Zeit für andere Patienten hat. Ich weiss nicht ob es daran liegt das ich auf einer Kinderstation arbeite und unser Team sowieso sehr gut harmoniert und wir alle die gleiche Vorstellung von Pflege haben oder ob es einfach nur eine schlechte Woche des Personals in diesem Krankenhaus war. Natürlich schaut man als Pflegekraft auch auf viele Dinge, die eine normaler Patient gar nicht wahrnehmen würde aber trotzdem war dieser Aufenthalt mit mir als Patient nicht das, was ich mir unter Pflege im Krankenhaus vorstelle.

 

2 Comments

  • Reply Nancy Berndt 13. August 2017 at 18:17

    Ich folge deinem Blog seit gestern und bin selbst Schülerin im 1.Jahr und kann das Verhalten der Schülerin bei dir nicht ganz nachvollziehen… 🙁 Sie hätte dir zu mindestens die Info geben können das du einen zu niedrigen Blutdruck hast und dann sagen können sie gibt dem Arzt oder der Schwester bescheid, damit man dagegen was tut oder wie weiter verfahren wird… Aber nicht einfach gehen und den Patient im Ungewissen lassen… 🙁 Ich kann dich gut verstehen und kann über das Verhalten der Schülerin und der Schwestern nur den Kopf schütteln….

  • Reply lara 15. September 2017 at 9:30

    oha wenn ich das so lese, finde ich es voll traurig wie mit den patienten umgegangen wird.
    ich hatte ende juni eine sehr große op, und lag 2 wochen im krankenhaus, auf der Kinderstation.
    da die op nur großen kliniken durchgeführt werden kann, lag ich 2h von zuhause entfernt…
    meine eltern konnten nicht immer kommen, aber dafür waren die krankenschwestern so nett zu mir! sie haben mich morgens gewaschen, brötchen geschmiert weil ich es noch nicht selbst konnte, und haben mir auch das trinken gereicht.
    sie sind jede halbe stunde reingekommen um zu fragen wie es mir geht, und ob sie etwas für mich tun können.
    auf der intensiv waren auch alle mega nett zu mir, und die krankenschwester hat mkr jedes mal gesagt was passiert, wie sich das anfühlt etc. …
    außerdem hatte man auf der kinderstation viel unterhaltung, jeden tag program, und wenn man wie ich nicht aus dem zimmer durfte, kamen die auch zu einem 🙂

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